Mittwoch, 25. November 2020
Engine X, 0.0
Eine sprachliche Besonderheit: Als Szene gilt ein sachlich zusammenhängender Abschnitt des Stücks, als Bild bzw. Bilder hingegen jeweilige Unterabschnitte. Die erste Szene ist zum Beispiel in drei Bilder unterteilt, es ließe sich auch von drei Einstellungen in der ersten Szene sprechen, die auf konkreten Ortswechseln beruhen.

Ort: Ein privatwirtschaftlicher Laborkomplex zur KI-Erfoschung und -Herstellung.

Jeweils konkret: Zentral der Besprechungsraum, von dem die Werkstätten, Büros und eine Kochnische abzweigen, ein Büro des Geschäftsführers, ein Labor des beauftragten Naturwissenschaftlers, ein Studio der Visagistin, eine Kochnische …, das Labor und das Studio verfügen zudem über eine Verbindungstür.

Personen: Geschäftsführer Heinz, Naturwissenschaftler Ralph, die Visagistin, die sich tatsächlich als Modelliererin erweist, Engine X, eine überaus komplexe Androidin.

Thema: Die Androidin entdeckt den Laborkomplex und sich selber, nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise in ihre ‚kleine‘ Welt. Dazu gehören ethische Fragen, Wissenschaft und menschlicher Verrat.

Die vorgesehenden Musikstücke stammen von Helge Bol aus der (entstehenden) EP ‚One-Day-Stand‘:

Nach 2.4, Vorhang: One-Day-Stand 1 https://soundcloud.com/helge-bol/one-day-stand-1 (knapp 3 Min.);

Nach 3.4, Vorhang: One-Day-Stand 2 https://soundcloud.com/helge-bol/one-day-stand-2 (knapp 3 Min.);

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Dienstag, 24. November 2020
Engine X, 4.1
Engine hatte sich nach dem Besuch des Studios im Besprechungsraum in eine Ecke gesetzt und die Hände vor das Gesicht gepresst.
Heimlich hatte sie rote Schminke aus dem Studio mitgehen lassen, um die Mitarbeiter des Laborkomplexes in einen ungeheuren Schrecken zu versetzen.
Die Schminke mutet wie schmieriges, tropfendes Blut an, das eventuell von einem äußerst kräftigen, mechanischen Biss herrührt. Nach dem Sinken ihrer Hände wirkt sie in der Szene wie eine blutgetränkte und rachgierige ‚Medusa‘.

...Schluss der Vorschau...

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Sonntag, 22. November 2020
Engine X, 3.4
Engine hatte das Büro von Heinz verlassen. Wütend geht sie zur Tür, die zum Studio der Visagistin führt, klopft an und betritt unaufgefordert den Raum. Die Visagistin erschreckt, zieht eilig einen Vorhang zu, der den hinteren Teil des Studios abtrennt.

Engine (überrascht):
Was machen Sie?

Visagistin (ebenfalls überrascht):
Ich … Nichts Besonderes … (Sie wischt ihre Hände über eine weißen Kittel, den sie trägt.) Ich hatte lediglich etwas geprüft.
Und geht es ihnen nun besser?

Engine (zunächst erstaunt):
Besser? Nein, viel schlechter! (Bedrückt) Ich habe das unbestimmte Gefühl, dass im Laborkomplex etwa Unheimliches passiert.

Visagistin (beruhigend):
Das ist durchaus menschlich. Unter unbestimmten Gefühlen leiden sehr viele Menschen. Und dann kommen sie auf äußerst dumme Gedanken. Ich hoffe, ihnen bleibt dieser zweite Teil erspart.

Engine (erregt):
Ich komme aus einem irritierenden Gespräch mit Heinz und Ralph. Und ich weiß nicht, was ich davon zu halten habe. Als seien diese Herrschaften nicht ganz bei Sinnen. Heinz sprach von Milliardärskindern, für die ich entwickelt worden sei, Ralph von einem Heimcomputer, einem ultra-modernen Atari 1040 mit disneykompatibler Bedienungsoberfläche. Was soll das?!

Visagistin (ruhig erläuternd):
Wir sind zwar in einem Laborkomplex, aber Geld verdienen müssen wir dennoch. Und sie sind eines unserer Produkte. (Sie macht eine Pause.) Es gibt weitere Entwicklungen, die ebenfalls wie Menschen aussehen, aber zu anderen Arbeiten dienen sollen. (Sie reißt den Vorhang auf, zu sehen sind Köpfe und Körperteile) Ich modelliere jeweils die Körper.

Engine (erschreckt):
Das sieht aus … wie auf einer Schlachtbank!
Für andere Arbeiten?
Ich verstehe kein Wort!

Visagistin (unsicher erläuternd):
Heinz ist unser Geschäftsführer. Er ist dafür verantwortlich, dass Kunden und dass Geld reinkommt. Mit unseren Produkten erfüllen wir deshalb Kundenwünsche. Kein Kunde, kein Geld. Wir prüfen gerade, an wen wir sie verkaufen können … Sie könnten eine prima Dienstleisterin sein. Und berücksichtigen wir die Kosten, die wir mit ihnen hatten, bleiben nur besonders zahlungskräftige Kunden übrig, z.B. Prinzen oder Scheichs.

Engine (trotzig):
Ab sofort bin ich zu nichts nützlich!

Visagistin (erläuternd):
Dann bliebe ihnen nur übrig, als Abfall zu enden. Sie hätten es nicht verdient, zu existieren. Wollen sie vielleicht im Sondermüll geschreddert werden?

Engine (desillusioniert):
Das ist doch die Höhe! Ich schäme mich, wie ein Mensch zu sein. (Sie verlässt schnell das Studio und setzt sich im Besprechungsraum auf den Boden einer Ecke, presst die Hände vor ihr Gesicht.)

(Vorhang)

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