Freitag, 14. April 2017
Die Durchführung II (11)
Es ist eventuell deutlich geworden, dass ich im Rahmen meines Konzepts nicht auf Vergleiche mit der Wirklichkeit verzichten kann, besonders wenn künstlerische Literatur aus methodischen Gründen nichts mit Empirie zu tun hat. Wie aber wären dann Vergleiche möglich, zumal für unwissenschaftliche Leser? Die Empirie wäre relativ vielen Menschen verschlossen.
Die von Menschen erfahrbare Wirklichkeit umfasst zum Glück weitaus mehr als nur methodisch dif­fi­zil erzeugte Empirie. Unter Berücksichtigung einer literarischen Ausdruckskomponente, die primär, nicht ausschließlich, emotional erzeugt wird, ließe sich in den Arbeitsweisen sogar ein Gegensatz zwischen künstlerischer und wissenschaftlicher Literatur herstellen. Dieser Unterschied gäbe mir erst die Betätigungsbereiche von Literaten frei: Die ausdruckshafte Schilderung von singulären Ereignissen.

Doch wie könnte sich eine ausdruckshafte Schilderung sprachlich auswirken? Die von mir eingebrachte emotionale Komponente erschwert eine Beschreibung. Grundsätzlich ist vor konventionellen, gleichsam phänomenischen Geschichten zu warnen, die über jede Wirklichkeit hinweg erzählt werden, z.B. von der inzwischen alten Frankfurter Schule, als ginge es um Relationen zwischen Sprache und nicht-sprachlicher Wirklichkeit, die mit Worten ‚Gleichheit‘ oder ‚Ähnlichkeit‘ fassbar wären. Sprache kann auch durch Ausdruck nicht in eine relevante Relation gebracht werden. Sprache, gleichgültig wie sie beschaffen sein mag, bleibt einfach different. Eine logische Struktur wäre ansonsten nicht möglich, auch falls man einen Sprachbildungsprozess darauf ausrichtete. Worte ‚Gleichheit‘ oder ‚Ähnlichkeit‘ beschreiben lediglich Assoziationen ohne theoretischen Wert.
Fragen ließe sich aber, wie es zu der populär gewordenen Fehleinschätzung kommen konnte? Die phänomenische Ausrichtung ist umgangssprachlich angelegt, wie eine Gleichsetzung von Äpfeln mit Birnen, oder die Abgrenzung von Kultur und Natur. Eine angemessene Beschreibung hätte auf die Schilderung von singulären Ereignissen einzugehen, Assoziationen wären durchaus möglich, aber relativ beliebig. Die primäre Faszination gälte wohl der sprachlichen Herausarbeitung einer Singularität, mit welchen konkreten Mitteln auch immer.

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